| "ALEGRA & THE ÖZDEMIRS" BEI LORENBECK
Soul-Septett statt Elferrat
Rheine. In alter Tradition bietet die Bluesinitiative „Bluesnote" am Samstag vor Rosenmontag eine Alternative zum Rheiner Karnevalstreiben an - in diesem Jahr im Wirtshaus Lorenbeck eine Jam-Session statt einer Karnevalssitzung, ein Soul-Septett statt Elferrat. Eingeladen zu einer außergewöhnlichen musikalischen Veranstaltung war die erst 13-jährige Sängerin Alegra Weng mit der Band „The Özdemirs" aus Münster. Viele waren ins „Lorenbeck" gekommen, um diese junge, phänomenale Soul-Stimme wieder zu hören, denn vor fast einem Jahr (28. Januar 2011) war Alegra mit der Özdemir-Family im Tholi zu hören.
Was aber damals im Rahmen der „Blues Caravan 2011" nur zum Support-Act als Förderung für Nachwuchskünstler reichte, ist in diesem Jahr zum Abend füllenden Programm geworden. In einem gut zweistündigen Programm mochten die Zuschauer kaum glauben, was sie da zu hören bekamen - eine sehr junge, erst 13 Jahre alte Sängerin mit einer „reifen" Soulstimme, die alle im engen Saal erstaunte. Gemäß dem Timbre und Ausdruck ihrer Stimme war das Programm an den „Ladies of Soul" der 60er- bis 90er Jahre orientiert, inspiriert von Aretha Franklin und Joss Stone, von Alicia Keys bis Amy Winehouse.
In einem instrumentalen Hard-Rock-Opening stellte sich die Band vor: Als „The Özdemirs" waren die Brüder Kenan (Gitarre) und Levent Özdemir (Schlagzeug) und Vater Erkan am Bass mit emotionalem Einsatz auf der Bühne, verstärkt durch den Pianisten Jan Karow. Das Quartett stellte ihren Sound den Karnevalsklängen entgegen, Gig statt Gag, jazzig statt jeckig. Und dann traten die drei Girls hinzu, Alegra mit ihrem Soul-Paket, begleitet von den zwei Background-Sängerinnen Alexandra Baronsky und Anna Nienerowski, und die nun zum Septett komplettierte Band brachte eine hohe Qualität und rief volle Begeisterung hervor.
In memoriam internationaler Soul-Queens sang Alegra deren Songs. Beginnend mit „Valerie", erinnernd an die 2011 verstorbene Amy Winehouse, weiter mit „Mercy" von Duffy, dann das rhythmisch pointierte „Free me" der Soul-Schreiberin Joss Stone und das kraftvolle „Chain of fools" der „Queen of Soul" Aretha Franklin, nicht zu vergessen den balladesken Vortrag „Give me one reason" der Sängerin Tracy Chapman und „If I ain't got you" der New Yorkerin Alicia Keys.
Das Soul-Programm war eine Verneigung vor den Soul-Queens der vergangenen Zeiten, in deren Mittelpunkt die Kraft der Emotion stand. Aber die Soul-Interpretationen waren keine Imitationen der großen Vorgängerinnen, sondern die Band wagte das Neue in der Wiedererkennung. So hatte das Septett der Özdemirs den Sound von der sparsamen Pianobegleitung bis zum Big-Band-Arrangement der jeweiligen Originale für ihre eigene musikalische Zusammensetzung adaptiert. „Wir wollen keine Imitation, sondern eine Interpretation", sagte Erkan Özdemir nach dem Konzert, und so entstand das Neue im Altbekannten. Die Anreicherung durch zweistimmigen Background-Gesang tat einigen Titeln gut und vereinheitlichte das Gesamtbild.
Drei Kompositionen der Background-Sängerin Alexandra Baronsky wurden dem Rheiner Publikum an diesem Abend vorgestellt. In Musik und Text auf Alegra abgestimmt, ausgebaut mit dreistimmigem Chorus war besonders der Titel „Music" interessant. Das Thema war die Liebe eines Mädchens zur Musik, und diese variierte den Soul-Ton zur Rhythm & Blues-Version.
Zugaben mussten natürlich kommen! Respekt zollte man der kleinen Alegra mit der großen Stimme, „What the people need, I got it", lautete (fast) ein Vers des Franklin-Titels „Respect", den sie zum Abschied sang, und eine Zeile aus „Free me" passt auf die Nachwuchskünstlerin: „A little girl who found her way".
VON INGMAR WINTER
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